CFM - Zentrum für Achtsamkeit

Der Begriff Achtsamkeit findet seit einigen Jahren zunehmendes Interesse in Medizin und Psychologie als ein Faktor, der für das Wohlbefinden und die Fähigkeit zur Lebensbewältigung von Menschen zentral ist. Gemeint ist damit eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit:

«Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Diese Art der Aufmerksamkeit steigert das Gewahrsein und fördert die Klarheit sowie die Fähigkeit, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren.
Sie macht uns die Tatsache bewusst, dass unser Leben aus einer Folge von Augenblicken besteht. Wenn wir in vielen dieser Augenblicke nicht völlig gegenwärtig sind, so übersehen wir nicht nur das, was in unserem Leben am wertvollsten ist, sondern wir erkennen auch nicht den Reichtum und die Tiefe unserer Möglichkeiten zu wachsen und uns zu verändern …
Achtsamkeit ist eine einfache und zugleich hochwirksame Methode, uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren, uns wieder mit unserer Weisheit und Vitalität in Berührung zu bringen.» (Kabat-Zinn, 1998)

Normalerweise laufen viele psychische Prozesse nur teilweise bewusst ab, wir laufen sozusagen im Autopiloten-Modus (Kabat-Zinn, 1990) und agieren, respektive reagieren häufig gemäss tief eingeübten Gewohnheitsmustern, die nur schwer zu durchbrechen oder zu verändern sind. Statt präsent zu sein, hängen wir in Gedanken der Vergangenheit nach oder planen für die Zukunft. Durch das Training von Achtsamkeit lernen wir, uns der körperlichen, emotionalen und geistigen Prozesse von Moment zu Moment in einer unmittelbaren, nicht-wertenden, gelassenen und kontinuierlichen Weise gewahr zu sein (Grossman, 2004). Dieses Gewahrsein ist unmittelbar in dem Sinne, dass die auftauchenden Empfindungen, Emotionen oder Gedanken nicht kognitiv beurteilt oder analysiert werden, sondern möglichst ungefiltert durch Bewertungen/Analysen in ihrer unmittelbar erlebten Qualität erfahren und wahrgenommen werden. Taucht beispielsweise ein Gefühl auf, das man konventionell als Ärger bezeichnen würde, fokussiert die Achtsamkeit nicht auf das Konzept des Ärgers oder die damit verbundenen Gedanken („ich bin ärgerlich, weil…“), sondern auf das momentane Erleben selbst jenseits der Worte – seien dies körperliche Empfindungen wie Hitze oder ein schneller Puls oder auf die unmittelbare emotionale Qualität. Auch wenn das einfach tönen mag, in der Praxis ist die Aufrechterhaltung eines solchen neutral ‚beobachtenden’ Bewusstseins ausgesprochen schwierig, weil ständig Gedanken und Emotionen von der eigentlichen Erfahrung und damit von der Präsenz ablenken. Gerade das Bemühen, gelassen und nicht-bewertend wahrzunehmen, ist unserer üblichen Tendenz, auf sämtliche Erfahrungen emotional und bewertend zu reagieren und entsprechend zu handeln, entgegensetzt. Durch die Achtsamkeitspraxis lernen wir, in einem Zustand des ‚blossen’ Seins und Wahrnehmens zu verweilen, anstatt unsere Erfahrung ständig manipulieren und kontrollieren zu wollen (Teasdale & Ma, 2004).
Die Fähigkeit zur Achtsamkeit ist bei allen Menschen angelegt. Sie kann durch systematische Übung, insbesondere verschiedene Meditationsformen, erheblich gefördert und weiterentwickelt werden. Wie die Forschung in den letzten Jahren nachweisen konnte, hat die Übung von Achtsamkeit viele positive Effekte auf das psychische und physische Wohlbefinden von Menschen. Unter anderem konnten positive Effekte festgestellt werden wie: Reduktion von Stresssymptomen (Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme..), erhöhte Fähigkeit, mit Belastungen und schwierigen Gefühlen umzugehen, grössere Gelassenheit, höhere subjektive Lebensqualität und bessere Selbst- und Fremdwahrnehmung (vgl. Brown, Creswell & Ryan, 2007).

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